Kannst du nicht mal die Fresse halten

  

Kannst du nicht mal die Fresse halten!“, schnauzt er, während er mit dem Kinn in Richtung Fernseher deutet. „Wieder so ein Pfaffe, der sich an Kindern vergreift! Die gehören alle ...“

„Papa...“, klingt es kleinlaut und gedrückt.

„Haltet doch mal euer Maul. Mensch, was erziehst du nur für eine Toch­ter?“, schnauzt er die Alte an. Er nennt sie schon lange nicht mehr bei ihrem Vornamen, eher Schlampe oder faule Sau, die den gan­zen Tag nichts anderes zu tun hat, als mit der fetten Kuh von Un­ten zu tratschen.

„Nicht mal bei den Nachrichten hat man seine Ruhe!“, brüllt er und zappt mit dem Daumen jetzt wahllos durch die Programme. Den Rest aus der Bierflasche zieht er sich in einem Schluck hinein.

„Ist auch deine Tochter.“, murmelt die Alte.

„Papa, ich wollte ja nur...“ Sie hält ihm ihre Insel ent­gegen, die sie auf ein Blatt Papier gemalt hat. -

„Dieses Gesindel heute auf den Spielplätzen! Mit Steinen auf Kinder wer­fen…“, meint er auf der Ambulanz, während die Kranken­schwes­ter schweigend die Platz­wunde an der Stirn der kleinen Julia ver­sorgt.

„Wenn wir die erwischt hätten. – Was Julia...?“          
Julia nickt. -

„Ja, Papa...“, schluchzt sie bedrückt und hofft, dass Papa das ge­wor­fene Feuerzeug zu Hause nicht wieder findet.

 

Kannst du nicht mal die Fresse halten
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