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Alleine, selbsttätig, vorwärts

 

Alleine, selbsttätig, vorwärts wäre die Devise

 

Nachdem ich nun auch den zweiten Herzinfarkt, der sich zehn Jahren nach dem ersten einstellte, überstanden habe und es mir den Umständen nach wieder entsprechend gut geht, habe ich beschlossen, mich in manchen Bereichen neu zu definieren. Der Vorruhestand neigt sich langsam dem Ende zu und das Rentnerdasein stellt sich in wenigen Monaten ein.

 

In den letzten zwei Jahren fiel mir auf, dass ich gedanklich noch sehr mit meinem ehemaligen Beruf und den Funktionen, die ich ausübte, verbunden war. Davon gilt es sich zu lösen und neue Wege zu gehen. Zum einen über kreatives Schaffen zum anderen über Reisen und Ruhe finden.

 

Momentan bereitet mir das kreative Schaffen eher Probleme. Gerade auf diesem Gebiet bin ich am Lernen, am Sammeln von neuen Erfahrungen und Eindrücken. Dabei stoße ich oft auf Schwierigkeiten. Kooperationen sind schwierig zu gestalten. Es ist als stochere man blind in einem Teich, ohne genau zu wissen, nach was man eigentlich sucht.

 

Das Schreiben ist eine wunderbare Sache, aber diszipliniertes, tägliches Schreiben, steht derzeit nicht auf meinem Programm. Dazu kommt der neue oder wiederentdeckte Hang zur abstrakten Malerei, von der ich eigentlich keine Ahnung habe und mir deshalb einzelne Techniken selbst aneigne.

 

Nun ja, es ist eine Zeit für mich angebrochen, die einerseits sehr spannend ist andererseits aber auch meine Unerfahrenheit in Eigenwerbung und zielgerichtetem, strategischem Handeln widerspiegelt. 

 

Spontanität war für mich immer wichtig. In meinem Beruf musste ich innerhalb eines bestimmten Rahmens sehr oft spontane Entscheidungen treffen, ohne mich vorher absprechen zu können. Ich bin es also gewohnt, dass in kniffligen Situationen kaum jemand da ist, der dich an die Hand nimmt und sagt: „So geht es!“

 

In meinem heutigen arbeitsfreien Leben fällt es mir mitunter schwer, den eigenen Rahmen für meine Entscheidungen zu definieren, und ohne Rahmen stochert man dann eben in einem trüben Teich.

 

Dies wirkt sich zwar nicht auf meine Kreativität aus, Bilder und Texte entstehen nach wie vor rasch, aber es ist nicht zielführend für die Außenwirkung meiner Kreativität. Sinnbildlich beschränkt sich die Außenwirkung meiner Kreativität momentan auf einen Radius von drei Metern, nämlich meinen Arbeitsbereich am PC oder meinen Küchentisch, der mir als eine Art von Staffelei dient, wenn mich das Bildgestaltungsmonster mal wieder angefallen hat und mir ein Acrylbild auf Leinwand abringt.

 

Stellt sich mir die Frage, ob ich das so will und mit diesen Erkenntnissen die nächsten Jahre lebe oder ob ich das ändere und mich in irgendeiner Form ins kreative Spiel bringe.  Dann müsste ich etwas ändern, denn mit Homepage alleine und mit Zugehörigkeit zu Künstlergruppen ist es da nicht getan. Alleine, selbsttätig, vorwärts wäre die Devise. Aber ich liebe ja auch das Rentnerdasein.

 

Und doch: vielleicht kann ich beides verbinden.

 

 

 

© Rolf Höge

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerda Greschke-Begemann (Sonntag, 24 Juni 2018 22:21)

    Mach dir keine unnötigen Sorgen. Das Rentnerdasein kann eine sehr kreative Zeit sein - das weiß ich aus Erfahrung. Nur die Wenigsten können in Gruppen kreativ sein, dort ist es eher reflektiv -finde ich.